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Was ist ESTA?

Das Unterrichten eines Musikinstruments und gerade eines Streichinstruments mit seinen unendlichen Schattierungs- und Ausdruckmöglichkeiten stellt wohl eine der intensivsten Formen des Umgangs mit Musik dar:

Erleben, Bewusstmachen, Experimentieren, dann wieder in anderen Bewusstmachen, dabei Lernen, dadurch selbst wieder neu Erleben - so entsteht ein endloser kreativer Kreislauf des Lernens. Lernen ist Lustgewinn, und dieser Gewinn kann sich wiederum im Lehren vervielfältigen.

Bedingung für diesen kreativen Kreislauf allerdings ist, dass wir uns nicht "im Kreis drehen", sondern in einem fortlaufenden Prozess Informationen, Anregungen, konstruktive Kritik in Gesprächen mit Kollegen in unserem näheren, aber auch weiteren fachlichen Umfeld (beides gleich wichtig!) in unseren Lernprozess einbauen. Jeder hat ja nur sein eigenes Fenster, seine Augen und Ohren, mit denen er in die Welt blicken und lauschen kann. Selbst wenn dieses Fenster noch so gross sein sollte - gemeinsam sehen und erfahren wir eben viel mehr. So entwickelt sich aus dem Kreis eine Spirale, die in die Zukunft weist.

Beides, Musizieren und Lehren, sind Mitteilung und Ausdruck - seelische und geistige Resonanzphänomene, die uns immer wieder vor Augen führen, dass der Mensch nur mit anderen Menschen zusammen existieren kann. Es ist daher einleuchtend, dass solche Anregungen desto vielfältiger und damit wirksamer sind, je grösser der Kreis ist, aus dem sie kommen. So haben die Begründer der ESTA mit ihrem spiritus rector, Max Rostal, zusammen mit Marianne Krömer, vom ersten Augenblick an die ESTA ganz auf Internationalität ausgerichtet, und es hat sich gezeigt, dass der Ansatz richtig war: In vielen Kongressen haben wir neue Ideen kennengelernt, alte auf den Prüfstand gestellt, haben uns mit Kollegen aus aller Welt ausgetauscht und sind bei jedem Kongress bereichert und neu für unsere Arbeit gerüstet nach Hause gefahren. Die ESTA verfolgt somit ein Ziel, das ja auch schon durch die übernational verständliche Sprache der Musik vorgegeben ist: sie fördert die Verständigung der Menschen, der Völker untereinander mit den Mitteln der Musik. Voraussetzung einer solchen Wirkung sind Toleranz, Offenheit und Neugier. Deshalb ist auch in der ESTA kein Platz für enge Ideologien jeder Art.

Es darf andererseits auch keine Berührungsängste geben vor zunächst fremdartig erscheinenden Ideen. Alle neün Ideen sind zuerst einmal willkommen; sie werden ihre Bedeutung dann allerdings unter Beweis stellen müssen. Meistens entstehen im Diskurs wieder neue, dritte Ideen: Es ist des Lernens kein Ende, wie Robert Schumann uns sagt. Auch sinnvolle Kontakte mit wissenschaftlichen Disziplinen, die unsere Arbeit fördern können, sind ganz wichtig, wenn wir den Anforderungen unserer Zeit gerecht werden wollen.

Alle Mitglieder der ESTA sind aufgerufen, sich in diesen Prozess einzubringen, aktiv und passiv, durch Offenheit, Kreativität und nicht zuletzt durch Initiative: Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es. Veröffentlichungen wichtiger Nachrichten und Themen in unseren Zeitschriften, Kurse und unsere jährlichen nationalen und internationalen Kongresse bieten phantasievollen Künstlern und aktiven Lehrern reichlich Gelegenheit, Initiativen zum Wohle aller zu entfalten. Manche gute Idee bleibt ungesagt, nur weil sich jemand nicht traut!

Durch die Öffnung Osteuropas stellt die ESTA inzwischen eine ganz Europa umfassende Klammer dar, deren politische Bedeutung auch international gesehen wird. Die ESTA ist als NGO (Non-Government- Organisation) im Europarat in Strassburg anerkannt. Helfen wir alle mit, die Zukunft unseres schönen Berufs mitzugestalten auch durch die Mitarbeit bei der ESTA !